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RTL-Nachmittagsprogramm mit Chips und Starbucks – eine komplette Generation wird verblödet und geht vor die Hunde. Druck. Druck gegen gesellschaftliche Normen, die man während der Jugend verspürt, aber trotzdem möchte jeder etwas erreichen. Erfolg heißt, eine bestimmte Sache gut zu machen und zwar so gut, dass man davon leben und sich gut fühlen kann. Aber wie schaffe ich es erfolgreich zu sein und gleichzeitig Ich zu bleiben? Die globale Mentalität steht vor der Entkulturalisierung und der Modernisierung des Ich-Gefühls, d.h. Leistung, Leistung und nochmals Leistung. Das, was ich mit meinen Gedanken mache, ist nicht erwünscht oder trägt nichts zu der überkonsumierenden Leistungsgesellschaft bei. Eigene Produktivität durch Widerstand oder Anpassung erzeugen? Mündig sein oder nicht sein? Das ist hier die Frage!

Sturm und Drang: Endlich sind die Gefühle frei!

Der Gedanke an die unmittelbare Freiheit drängte sich in die Köpfe der Jugend und wollte nicht mehr heraus. Doch hat sich dies inzwischen verändert, sodass Freizeit für die heutige Jugend an erster Stelle steht. Lieber doch kein Starbucks oder Smartphone?

Warum ist es so wichtig, dass wir heute rebellieren?

Rebellieren im Zusammenhang von Sturm und Drang heißt, die bestehenden gesellschaftlichen Normen zu hinterfragen und sich ihnen zu widersetzen. Ich thematisiere nicht das Rebellieren auf Straßen, weil man gerade Lust hat, etwas kaputt zu machen. Ich beziehe mich auf das innere Verlangen nach Unabhängigkeit. Johann Wolfang von Goethe, ein wichtiger Mitwirker der westlichen Literatur, hatte keine Probleme damit, gegen die bestehenden Verhältnisse zu rebellieren. Er „sprang in die freie Luft und fühlte erst, dass „(…) [er] Hände und Füße hatte […]“ (Z.5). Das Gefühl der Schwerelosigkeit, das Gefühl, seinen Platz in dieser Welt eigenständig zu suchen und dann endlich zu finden, ist die unerreichbare Unvollkommenheit, die sich jeder wünscht. Wieso anpassen, wenn man sich und seine Seele selber gestalten kann und somit die Welt bereichert? Entdecken, rebellieren, ausprobieren, aber auch hinterfragen sind Dinge, die wir als Kinder schon gemacht haben, um diese Welt, in der wir leben, besser verstehen zu können. Also frage ich noch einmal: Warum sollten wir dies auch nicht im weiteren Leben machen? Man hört nie auf zu lernen.

Was passiert, wenn wir nicht rebellieren?

Einem fällt nichts Anderes ein, als ,,sein ganzes Leben unter dieser Last, oder der weit brückenderen Bürde des Gewissens mutlos zu keuchen.“ (M1, Z.6 ff). So beschreibt es Martin aus dem Drama „Götz von Berlichingen“, der sich nach Freiheit gesehnt, aber sich der Umsetzung dieses Wunsches widersetzt hat, da sein Leben von seinem „Schöpfer selbst gestiftet“ (M2, Z.16) worden sei. Er passt sich den Gegebenheiten an und will sich nicht weiter entfalten. Da frage ich mich: Wie kann ich Erfolge erreichen, wenn ich mich ständig anpasse, aber nicht weiterentwickle? Wo bleibt mein persönliches Erfolgserlebnis heute wieder ein Stückchen besser zu sein als gestern? An was passe ich mich überhaupt an? An die gesellschaftliche Wertschätzung, die schon existiert. In einer Welt zwischen wirtschaftlicher Korruption und Machtkämpfen um Geld ist diese Wertschätzung, nun ja, nicht ganz so „schön!“. Die Reichen und „Nichtswürdigen werden regieren mit List und der Edle wird in ihre Netze fallen.“ (Z. 29ff). So verlässt Götz diese Welt in Goethes Werk für „Freiheit! Freiheit!“ (Z.31). Lieber sterben auf gestandenen Füßen, als leben auf Knien, das ist die Motivation schlechthin zur Rebellion. Lieber sterben auf gestandenen Füßen, als geduckt leben auf Knie, das ist die Motivation.

Schlechthin zur Rebellion. Der Tod ist die Befreiung des Kummers, wie auch bei Werther. Ebenfalls zu einer Kreuzung der beiden Werke kommt es im Begriff „Käfig“ (M2, Z. 18/M3, Z.31). Anpassung ist nichts weiter, als in einem Käfig zu sitzen.

„Ein Mensch, der sich nach ihnen bildet, wird nie etwas Abgeschmacktes (…) und Schlechtes hervorbringen“ (M3, Z. 5 ff), aber dieser Mensch wird auch nichts auf dieser Welt verändern oder sich entwickeln. Wie auch, wenn er ständig das tut, was andere machen? Es steht einem „gerade im Wege“ (M3, Z. 19) etwas verändern zu wollen.
Jedoch bringt das Rebellieren eine Problematik mit sich. Vor allem in der Literatur sterben die Stürmer und Dränger im Kampf um die absolute Freiheit. Wie soll das ein Kind aus dem Westen dazu motivieren, auch zu hinterfragen und zu rebellieren, um wirklich erfolgreich zu sein? In Die Leiden des jungen Werthers findet eine regelrechte Romantisierung des Suizids statt. Rebellion heißt zwar Widerstand und vermutlich hat Werther Lotte so geliebt, aber dieser Generation sollte man beibringen, Rebellion nicht mit Tod und Schmerz gleichzusetzen, sondern mit etwas Selbstverständlichem.

Aber: was genau heißt nun Rebellion im 21. Jahrhundert?

Allgemeine Problematik im Westen für Jugendliche: Schule! Das ständige Rumgeheule darum, dass die Schülerschaft wie Sklaven behandelt werde, ist manchmal echt anstrengend und grenzt für mich persönlich an „White privilege“. Zu diesem Entschluss bin ich durch meine Cousine gekommen, die im Nahen Osten kleine Kinder unterrichtet, und wenn man erfährt, welche Probleme sie dort haben, geht man hier gerne zur Schule. Der Neurobiologe Gerald Hüther behauptet, dass „im Gehirn immer erst dann etwas [passiert], wenn derjenige, der lernt, das für sich selbst als wichtig beurteilt“ (M5, Z.5ff). Natürlich sollte man das Schulsystem umstrukturieren, aber der Jugend gleichzeitig klar machen, dass Schule nicht alles ist, was man kritisieren kann und manchmal mit ihren Privilegien zufrieden sein sollte. Gegen die Schönheitsbilder im Internet zu rebellieren, ist zwar nichts Weltbewegendes und ein bisschen „ first world problem“, wenn man das mit den Umständen vor der Aufklärung vergleicht, aber es ist ein bestehendes Problem für die Jugend und man sollte sich dagegen wehren. Natürlich ist die „globalisierte Welt (…) ein gnadenloser Menschengleichmacher“ (M6, Z. 12ff), aber ist unsere Faulheit nach Freiheit nicht auch selbst verschuldet? Vielleicht wollen die Jugendliche dieselben Klamotten wie Madison Beer haben. Man sollte die Individualisierung nicht aufzwingen. „Du darfst nicht im Trend, sonst bist du ein Opfer der Gesellschaft.“ Wieso nicht? Leben und leben lassen und wenn einem etwas nicht passt, kann man in einer Hinsicht schon „rebellieren“, aber die, die sich für andere angegriffen fühlen, so wie Sibylle Berg es tut, ist besonders effektiv. Sie hat dieselbe Intention, „lass die doch machen“ (M6, Z. 18) und meint es zwar gut, jedoch sollte sie Jugendlichen nicht beibringen, dass sie anders sein müssen, um wirklich echt zu sein.

Die Shell-Studie zeigt das Bild der Jugendlichen. Nein, tut es meiner Meinung nach nicht, es ist nur eine Studie, jeder kann behaupten, was er will. Jedoch zeigt die Shell-Studie, dass Jugendliche es mit 78% am wichtigsten finden, sich bei Entscheidungen auch nach Gefühl zu richten (vgl. M4). Gefühle sind ein inneres Sprachrohr nach außen. Man kann seine Gefühle nicht anpassen, wie auch? Das zeigt, dass Anpassung zwar zu einem kurzfristen Erfolg führen kann, aber die Menschen unzufrieden stellt. Kann man dann noch überhaupt von Erfolg sprechen? Aber trotzdem wollen die Jugendlichen einen hohen Lebensstandard haben, d.h. egal ob durch Anpassung oder Rebellion, was auch mit dem Egoismus vieler zu tun hat. Viele präferieren es, unmündig zu sein, da Anpassung meistens bzw. eigentlich immer einfacher ist als Rebellion, also wirklich etwas tun zu müssen. Ich bin der festen Überzeugung, dass Rebellion gegen gesellschaftliche Konventionen heutzutage zum Erfolg führt, da es der größte Erfolg im Leben ist, mit sich im Reinen zu sein und das zu tun, was man fühlt und was man möchte.

Allgemeine Problematik: Faulheit. Da wären wir wieder beim RTL-Nachmittagsprogramm. Diese Generation hat in diesem Zeitgeist ihren Geist um Freiheit verloren. Sie wollen das, was praktisch ist und keine Mühe macht. Achtung, Stichpunkt Schule und wenn ihnen etwas nicht gefällt, ist die ach so oberflächliche Gesellschaft schuld. Nein. Sei nur Stürmer und Dränger, wenn du auch wirklich bereit dazu bist, Stürmer und Dränger zu sein!

 

Der Essay entstand im Rahmen des materialgestützten Schreibens während des Deutschunterrichts (E2, Schuljahr 2016/2017) unter der Leitung von Frau Lau.

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