Bewertung: 5 / 5

Stern aktivStern aktivStern aktivStern aktivStern aktiv
 

Aufgrund von Hautfarbe, Herkunft, Religion, Aussehen, Kleidung, Charakter und noch vielen anderen Eigenschaften oder Merkmalen werden Menschen in unserer Gesellschaft ausgegrenzt und diskriminiert. Es existieren Vorurteile, Stereotypen und Klischees, sodass man den Mitmenschen voreingenommen begegnet.

Zwar betreffen Mobbing, Rassismus und Ausgrenzung nicht jeden täglich im Leben, da die Diskriminierung dann bereits ein großes Ausmaß angenommen haben muss. Allerdings sind uns vielleicht nicht immer diese Probleme bewusst, da es oftmals nur Randbemerkungen oder kleinere Sticheleien im Alltag sind, mit denen man Menschen seelisch verletzen kann.

„Die Würde des Menschen ist unantastbar“ (Artikel 1 des Deutschen Grundgesetzes). Unter diesem Motto stand auch die Ausbildung zum Anti-Rassismus-Coach an der ASS. Diesen Artikel kennt jeder und umso mehr betreffen uns jegliche Arten der Diskriminierung und Ausgrenzung persönlich – seien sie auch noch so klein. Aus diesem Grund sollten wir ein Zeichen setzen und alle Verletzungen dieses allzu bekannten und unglaublichen wichtigen Grundsatzes ernst nehmen, anstatt sie zu relativieren – handeln statt wegsehen und Zivilcourage anstatt Gleichgültigkeit zeigen!

 

Die Schülergruppe „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ (SOR-SOC-Gruppe), in welcher die Idee des Anti-Rassismus-Tages entstand, wollte genau dieses Zeichen gegen Diskriminierung und Rassismus an unserer Schule setzen und den friedlichen Umgang miteinander und ein positives Zusammenleben fördern. Insbesondere die ASS, an der Schülerinnen und Schüler aus mehr als 50 Nationen stammen und sich jeder Einzelne durch seinen ganz eigenen Charakter auszeichnet, ist pluralistisch geprägt und möchte umso mehr ein soziales Klima durchsetzen. Über ein Jahr lang plante die SOR-SOC-Gruppe den Anti-Rassismus-Tag, der am 8. September 2017 stattfand. In den Jahrgangstufen 5 bis Einführungsphase (E1) setzten sich Schülerinnen und Schüler der Qualifikationsphase (Q1 und Q3) von der dritten bis zur fünften Stunde als sogenannte Anti-Rassismus-Coaches mit den Themen Mobbing, Cybermobbing und Umgang miteinander gemeinsam mit den Schülerinnen und Schüler spielerisch auseinander. In Form von selbst entwickelten Rollenspielen wurden typische Konfliktsituationen dargestellt und anschließend analysiert sowie nach Lösungen für die Konflikte gesucht. Der Tag wurde mit einem Schulfest mit dem Motto „Gemeinsam lernen und leben – gemeinsam feiern gegen Rassismus“ abgerundet. Dabei wählte man ganz bewusst Oberstufenschülerinnen und -schüler als Trainer, da diese Verantwortung in der Schulgemeinde übernehmen sollten, um ein harmonisches Miteinander zu unterstützen.

 

Knapp 90 Schülerinnen und Schüler aus der SOR-SMC-Gruppe, der SV, der Q1 und Q3 nahmen diese Aufgabe ernst, zeigten Initiative und wollten sich für eine tolerante und offene Gesellschaft einsetzen. Durch die vorherige Kooperation mit der AWO Kreisverband Offenbach Land e.V. im Auftrag der Stadt Offenbach (Ordnungsamt, Geschäftsstelle Kommunale Prävention) entstand der Kontakt zu Creative Change e.V., eine Organisation bestehend aus Theaterpädagogen, die die Schülerinnen und Schüler später zu Coaches ausbildete. Die Ausbildung kostete viel Geld, wurde aber durch viel Mühe und Arbeit der SOR-SOC-Gruppe am Ende von der Partnerschaft für Demokratie Offenbach am Main im Rahmen des Bundesprogrammes „Demokratie leben!“ durch das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend und das Hessische Ministerium des Inneren und Sports gefördert.

 

Insgesamt gab es während der Ausbildung drei Gruppen, die an vier verschiedenen Terminen jeweils zwei Schulstunden lang die nötigen Fähigkeiten erlernten, um den Klassen später die verschiedenen Themen näherzubringen. Ziel der späteren Workshops in den Klassen war es, die oftmals schon in der Sprache festen, gewöhnlichen, diskriminierenden und rassistischen Bemerkungen zu erkennen und nach Lösungen zu suchen, den Umgang miteinander zu reflektieren und eine differenzierte Definition des Begriffes „Rassismus“ zu erarbeiten. Allerdings beziehen sich Diskriminierung und Ausgrenzung nicht immer auf äußere, ethische, kulturelle oder religiöse Merkmale einer Person, sondern auch auf das Anderssein eines Menschen in seiner ganz individuellen Ausprägung des Charakters und Aussehens. Aufgrund dessen sollte im Allgemeinen eine gegenseitige Wertschätzung untereinander existieren und die positive Seite des Andersseins beleuchtet werden. Darüber hinaus sollte insgesamt das demokratische Bewusstsein gestärkt werden, in Konfliktsituationen Zivilcourage zu zeigen, Initiative zu ergreifen und nach Handlungsalternativen zu suchen.

 

Der Aufbau unserer Ausbildung glich dem der späteren Workshops. Neben den oben genannten inhaltlichen Aspekten wurden uns auch Soft Skills vermittelt. So sollte man zum Beispiel zu Beginn in jeder Klasse eine Vorstellungsrunde durchführen, in der sich die Schülerinnen und Schüler gegenseitig in Bezug auf ihren Namen, ihre Herkunft und ihre positiven Eigenschaften vorstellten. Ziel und Sinn war es dabei, dass jeder einmal vor der Klasse und somit im Mittelpunkt stand, um für den weiteren Verlauf die Hemmschwelle, sich bei Rollenspielen einzubringen, zu minimieren. Uns wurde dabei immer öfter bewusst, dass man auf viele kleine Aspekte achten muss, wenn man plötzlich nicht mehr in der bekannten Perspektive als Schülerin oder Schüler in der Klasse sitzt, sondern nun als sogenannte Lehrerin oder sogenannter Lehrer vor der Klasse steht – Dinge, die für uns Schülerinnen und Schüler als Selbstverständlichkeit erscheinen und wir nicht bewusst wahrnehmen. Dazu gehört auch, dass man bspw. immer kleinschrittig auf einen inhaltlichen Punkt hinarbeitet, nicht mehrere Fragen auf einmal stellt oder wichtige Begriffe erst definiert und bespricht, bevor die Schülerinnen und Schüler sich selbst damit auseinandersetzen. Somit lernten wir sehr viel über das Auftreten in einer Klasse und die Vorgehensweisen bzw. Methoden, um das Thema zu vermitteln.

Selbstverständlich befassten sich auch die Gruppen selbst mit den unterschiedlichen Themen und mussten ebenso Rollenspiele entwickeln und Handlungsmöglichkeiten finden, um das sogenannte Dilemma, welches Bestandteil jedes Rollenspieles war und an dem die Szene des Rollenspiels „eingefroren“ wurde, zu lösen. Dadurch lernten auch wir, wie man sich in Situationen verhält, in denen z.B. ein Kellner wegen seiner schlechten Deutschkenntnisse diskriminiert wird. Weiterhin tauschten wir uns über unsere Erfahrungen mit Ausgrenzung und Rassismus im Alltag aus. Ein weiterer Schwerpunkt der Ausbildung und des späteren Workshops lag darauf, dass gerade wir als Jugendliche, als wichtiger Bestandteil der Gesellschaft, die Zukunft sind und gerade deshalb diese mitgestalten sollten, indem wir uns einbringen, handeln und uns für ein friedliches Miteinander einsetzen. Aus diesem Grund sollten wir uns mit uns selbst auseinandersetzen: Welche besonderen Potenziale tragen wir in uns? Welche Personen unterstützen mich? Wo und wie kann ich mich am besten entfalten? Neugier, Wissensdurst, Unerfahrenheit, Motivation, auf der Suche nach dem neuen eigenen Weg, Optimismus, Entdeckerdrang – all dies und noch vieles mehr zeichnet junge Menschen aus. Während der Ausbildung hatten wir die Aufgabe, eine Rede an die Jugend zu verfassen. Zwar steckt noch viel Elan in Jugendlichen, dennoch schöpft man nicht immer alle Möglichkeiten aus. Angst zu versagen, fehlendes Selbstbewusstsein und Unsicherheit hemmen einen. Um die Schülerinnen und Schüler aber dazu zu bewegen, sich trotzdem in der Gesellschaft einzubringen, sollten wir am Ende des Workshops eine zuvor auserwählte Rede vorlesen.

Nach unserer achtstündigen Ausbildung freuten wir uns schon alle auf diese besondere und vor allem auch ungewohnte, neue Aufgabe und Herausforderung. Trotz vorheriger Unsicherheiten, ob man das zuvor Gelernte jetzt anwenden kann und man es wirklich schafft, die Schülerinnen und Schüler für das wichtige Thema mitzunehmen, war es ein gelungener und schöner Tag. Es hat sehr viel Spaß gemacht, mit den Schülerinnen und Schülern über die verschiedenen Probleme zu reden, sie zu erkennen und ihnen Lösungsmöglichkeiten mit auf den Weg zu geben. Besonders freuten wir uns, als die Schülerinnen und Schüler am Ende den Sinn des Tages selbst erkannten und somit etwas vom Anti-Rassismus-Tag für sich persönlich mitnahmen, was sie später vielleicht auch einmal im Alltag einbringen werden.

 

Fotografie: Franziska Walther

Suche

Podcasts

Von Hogwarts bis zu gestohlenen Rühreiern – Herr Mareck klärt auf
Herr Mareck stellt sich vor. Er spricht über seine Erfahrungen und Eindrücke an der ASS, der Trennung von Schul- und Privatleben, den Begegnungen mit Prominenten und vielem mehr. Das Interview führt Senem Bozdag.

800x600

Über Erfolg und Misserfolg - Herr Álvarez im Gespräch

Sportlehrer Álvarez sprach mit dem Schweitzer Käseblatt über Wettkämpfe, Schiedsrichterentscheidungen und die künftigen Ziele der Schulmannschaften im Fußball. Von Gabriel Ligori, Daniel Muhammad und Miguel Reyes Núñez 

Die Aufgaben einer Schulsprecherin
Verantwortungsvoll und vielfältig - über die Arbeit einer Schulsprecherin sowie über ihre Ziele spricht Saha Angourani. Von Sunita Herrmann und Ariana Mahmutaj
Schulleiter Schmidt über die ASS
Über die Entscheidungsfindung zur G8- oder G9-Schule, das Handyverbot während der Pausen, die Freistunden für die Oberstufenschüler, die Attraktivität der ASS und noch vieles mehr - Schulleiter Schmidt klärt auf. Von Patricia Kaschky und Asimina Tassopoulou
Interview Schulleiter Schmidt Teil 1
Interview Schulleiter Schmidt Teil 2
Die Schulsprecherin stellt sich vor
Samar Angourani spricht über ihre Arbeit als Schulsprecherin. Das Interview führte Schweitzer Käseblatt-Reporterin Franziska. 
ASS-Regisseur Dr. Biccari plaudert aus dem Nähkästchen
In der Rückschau reflektiert der ASS-Regisseur und Leiter der Kurse Darstellendes Spiel, Herr Dr. Biccari, die Aufführungen von Schnitzlers Skandalstück Reigen im Januar dieses Jahres. Von Julia Kopitzki und Michelle Jüngling
Interview Dr. Biccari Teil 1
Interview Dr. Biccari Teil 2
Interview mit Frau Schepp
Tobias interviewte Frau Schepp, die zweite Leiterin im Tandem des Schweitzer Käseblatts.
Gedanken zu den Sommerferien
Endlich Sommerferien. Doch wie ist das kurz vor dem Abitur? Luisa schildert ihre Gedanken.
Vorschläge für den Wandertag 2011
Wandertag – sportliche Aktivität oder kulturelle Besichtigungen? Ideen für den Wandertag von Asimina.
Neuer Schulhof
Mit dem Neubau der ASS kam ein neuer Schulhof. Über Wünsche der Schülervertretung (SV) spricht Daniel.

Lust Artikel zu schreiben?

Ihr habt Lust, auch Artikel zu schreiben oder Podcasts aufzunehmen, die in der Online-Schülerzeitung veröffentlicht werden? Dann macht doch in der Schülerzeitungsgruppe mit! Meldet euch einfach bei Frau Ivan oder Frau Ahlhelm.

Anmeldung

Schweitzer Käseblatt

Albert-Schweitzer-Schule
Waldstr. 113
63071 Offenbach

Zum Seitenanfang

Startseite - Wir über uns - Kontakt - Impressum

Template design by JoomlaShine.com