Die Bläser werden immer lauter, während sie in Richtung Publikum kriecht. Speichelfäden rinnen ihr aus dem Mund, tropfen auf die Bühne. Von allen verlassen. „Ihr habt mein Kind erwürgt!“, schreit sie verzweifelt, als ihr klar wird, dass sie letztlich selbst diese Tat begangen hat. Als das Stück endet, sehen Zuschauer und Darsteller beinahe gleichsam mitgenommen aus – aber auch ebenso zufrieden.

Jana Schulz; Foto: Arno Declair

Denn die Tragödie „Rose Bernd“, die zurzeit im Schauspiel Frankfurt aufgeführt wird, hinterlässt Spuren. Der Autor Gerhard Hauptmann schrieb sie bereits 1903, als ihn der Prozess um eine Kindsmörderin, dem er beiwohnte, nicht mehr los ließ. Was bringt eine junge Mutter dazu, ihr eigenes Kind zu ermorden? Erklärungen auf diese Frage finden sich in seinem Stück wieder. Titelfigur Rose Bernd, gespielt von Jana Schulz, die dafür sogar den renommierten Gertrud-Eysoldt-Ring erhielt, wächst selbst als mutterloses Mädchen einer ärmlichen Familie auf. Sie ist bei der bessergestellten Familie Flamm angestellt und hat ein Verhältnis mit dem Hausherrn Christoph Flamm, für den sie schon im jungen Alter schwärmte. Er jedoch begehrt lediglich ihren Körper und die Macht, die er über sie ausübt. Doch als Roses Vater sie mit August Keil, einem Freund aus Kindestagen, verheiraten möchte, und sie zusätzlich bemerkt, dass sie schwanger ist, beginnt das große Unglück. Bald findet sich die selbstbewusste Rose alleingelassen in einem gerichtlichen Prozess, dem sie nicht entfliehen kann.

Jana Schulz; Foto: Arno Declair

Für die richtige Stimmung auf und neben der Bühne sorgt unterstützend ein Bläserquartett. Zu deren Musik wird sogar einige Male von den Schauspielern gesungen – auf Schlesisch. Die Sprache, die sich diese extra für das Theaterstück angeeignet haben, zieht sich durch die ganze Vorstellung. Als Muttersprache der Familie Bernd stellt sie deutlich die Unterschiede der sozialen Schichten dar. „Aber Sie brauchen jetzt keine Angst zu haben“, beruhigt die Dramaturgin Marion Tiedtke bei der Vorbesprechung des Stücks. „Sie werden trotzdem alles verstehen.“ Das stimmt. Denn da Rose bei den Flamms arbeitet, beherrscht sie sowohl das Schlesische als auch das Hochdeutsche. Auch bildet die Sprache zwar ein wesentlicher Bestandteil des Theaters, sind doch Gestik und Mimik in diesem Spiel bedeutender.

Foto: Arno Declair

„Das Originalstück enthält ziemlich viele und genaue Ortsbeschreibungen. Fast wie ein Drehbuch“, erzählt Tiedtke. Um keine „Postkartenkulisse“ entstehen zu lassen, verzichtet das achtköpfige Ensemble weitestgehend auf Requisiten und Kulisse. Auf einer zum Publikum hin abschüssigen schwarzen Spielfläche, die sich aus einem dunklen Bühnenschlund erhebt, tanzen, weinen und schreien die Schauspieler fast zwei Stunden lang. Gelegentlich werden Stühle geworfen. Die gesamte Szenerie wird von einem ununterbrochen rieselnden Goldregen begleitet, der nicht nur wundervoll unter den Schuhen der Schauspieler glitzert. So kann er beispielsweise für all das Glück stehen, das der Protagonistin im Laufe der Geschichte in den Händen zerrinnt. Am Ende wird klar, dass nichts subjektiver als die Schuld sein kann und die Menschen vor nichts zurückschrecken, um ihre eigene Schuld hinter der eines anderen zu verstecken.

Foto: Arno Declair

Noch bis 16.03.18 kann man sich „Rose Bernd“ im Schauspielhaus in Frankfurt anschauen. Großartig gespielt!

Jana Schulz, Nils Kreutinger; Foto: Arno Declair

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