Die Schule bereitet auf das spätere Berufsleben vor. Diesen Satz hat sicherlich schon jeder gehört. Ob dies auch auf die Praxis zutrifft, sei mal dahingestellt und muss individuell beantwortet werden. Doch genau dieser Satz schafft viel Argumentationsspielraum für bestimmte Problemstellungen und Konflikte.

Foto: Senem

Eine immer wieder neue aufgebrachte Thematik ist, ob die Schule der Schülerschaft vorschreiben kann, wie sich diese kleiden darf oder auch nicht. Schließlich wird man im späteren Berufsleben auch nicht vor dem Chef mit Jogginghose oder mit einem bauchfreien Top stehen. Da kann man bereits in der Schule mit der Kleiderordnung anfangen, zumal die Schule auch eine Bildungseinrichtung ist, wo man in „angemessener“ Kleidung erscheinen sollte. Doch wer definiert überhaupt, was „angemessen“ ist?

Nackte Haut scheint die Gesellschaft mit ihren Moralvorstellungen und Sitten wohl abzuschrecken, wenn man bedenkt, wie oft freizügige Kleidung, beispielsweise Shorts oder Röcke, in der Schule angeprangert werden.

Laut gewissen Erfahrungsberichten, die ich mitbekommen habe oder auch täglich im Internet sehe, ist es tatsächlich zu Vorfällen gekommen, in denen Lehrkräfte explizit Schülerinnen auf deren ihrer Meinung nach freizügige Kleidung aufmerksam gemacht haben sollen. Wir reden hier von Shorts. Die Auffassung der Lehrer*innen sei, dass die Kleidung die männlichen Mitschüler ablenke oder dazu führe, dass sie sich nicht mehr auf den Unterricht konzentrieren könnten… Junge Mädchen hören von einer Autoritätsperson, dass ihre Haut eine Ablenkung sein soll – können sich diese Personen eigentlich denken, was für mentale Auswirkungen es auf die eigene Psyche und Eigenwahrnehmung haben kann, Derartiges zu hören? Pubertierende Mädchen, die gerade versuchen sich in einer wohlbemerkt sexistischen Gesellschaft zurechtzufinden und zu entdecken, werden nach so einer Aussage aus der Bahn geworfen. Sie werden sexualisiert, weil sie das Problem aufheben müssen, für das ihr Körper verantwortlich ist. Man kann diese Thematik aus mehreren Blickwinkeln betrachten, aber jeder sollte in dieser Argumentationsweise den gravierenden Fehler finden. Doch viele sehen das Problem nicht einmal, denn...

…das Ziel der Emanzipation sei im Westen nach jahrhundertelanger Unterdrückung der männlichen Dominanz erreicht. Gleichberechtigung ist schließlich im Grundgesetz verankert, betonen viele. Wenn man bedenkt, dass 1901 sich Frauen das erste Mal an Hochschulen unter den gleichen Bedingungen wie Männer immatrikulieren konnten und wir heute an deutschen Universitäten einen Frauenanteil von etwa 49 Prozent haben (vgl. https://www.klischee-frei.de), sollte man sich nach langen Kämpfen der Frauenbewegung doch zufriedengeben.

Es war ein langer Kampf um Gleichberechtigung, bei dem sich Suffragetten, englische Feministinnen, für das Wahlrecht der Frau eingesetzt oder die ersten Frauenclubs während der Französischen Revolution gebildet haben, um die vollen Bürgerrechte und Gleichstellung anzustreben. Ein gesellschaftlich passiver Widerstand gegen Feminismus herrscht heutzutage dennoch vor, wie man es an unbestrittenen Tatsachen feststellt. Die Sozialisierung von Mädchen und Jungen erfolgt immer noch nach den Gender roles, worunter pauschalisierte Rollenbilder der Geschlechter in der Gesellschaft verstanden werden.

Menschen ziehen kleine Jungen mit dem Hintergedanken auf, dass das Zeigen von Gefühlen das Unmännlichste sein kann, was es gibt. Menschen ziehen auch kleine Mädchen mit dem Hintergedanken auf, dass schlechtes Benehmen das Unweiblichste sein kann, was es gibt. Wieso sieht die Gesellschaft nicht andere kleine Menschen als Wesen an, die mit einer menschenwürdigen Moralvorstellung und einem offenen Weltbild aufgezogen werden möchten? Vielleicht möchte sich das Kind gar keinem Geschlecht zuordnen. Das Sexistische an diesem Konflikt ist, dass niemand Jungen vorschreibt, dass sie ihren Körper aus anstößigen Gründen verstecken sollen.

Es ist von essentieller Bedeutung, dass man gesellschaftliche Probleme, wie die Emanzipation der Frau oder die Auflösung der Gender roles, nicht unter den Tisch kehrt, nur weil es viele nicht mehr als aktuell betrachten. Die Emanzipation der Frau wird so lange aktuell bleiben, wie Sexismus existiert.

Man überlege sich, welche Auswirkungen es auf Jungs haben kann, wenn sie hören, dass ihre Mitschülerinnen keine Shorts anziehen sollen, damit sie nicht abgelenkt werden. Sie gewöhnen sich an ein System, in dem Mädchen für ihr prekäres Verhalten verantwortlich gemacht werden und die Reflexion über egalitäre Prinzipien vernachlässigt wird.

Die Sexualisierung des Körpers ist nicht unser Problem. Es ist das der Lehrer*innen, die es als Problem betrachten. Daher sollte man nicht jungen Mädchen beibringen, dass ihre Körper als “unangemessen” oder inhärent sexuell zu betrachten seien. Mädchen sind Menschen, keine Objekte. Es ist warm draußen. Natürlich ziehen wir Shorts an.

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